Notariatszeichen des Christian Wierstraet an einer Urkunde 1469| Neusser Stadtarchiv

Gründungssatzung

der Neusser Scheibenschützen

Nachfolgend fin­den Sie den aus dem Originaltext über­tra­ge­nen Wortlaut der Urkunde vom 1. November 1415 in vol­lem Umfang:

Im Namen Gottes Amen!

Zum Lobe und zu Ehren Christus Jesus, unse­res Herrn, Mariä, Seiner lie­ben Mutter, und dem hoch­ge­lob­ten Märtyrer Sankt Sebastianus zu Diensten, so haben die Schützengesellen in der Stadt Neuss beschlos­sen, unter sich eine Bruderschaft von jetzt an immer­fort bis in ferns­te Tage zu hal­ten und alle Jahre am Tag des hei­li­gen Märtyrers zu bege­hen und durch­zu­füh­ren der­ma­ßen als her­nach geschrie­ben steht.

  1. Zum ers­ten soll ein jeg­li­cher Bruder alle Sonntage Gott im Himmelreich mit drei Pater nos­ter und drei Ave Maria dan­ken, daß er dem hei­li­gen Märtyrer Gewalt gege­ben hat, uns von Gottes wegen zu beschir­men vor der Pest, vor Blattern, vor dem jähen Tode, vor Geschossen und ande­ren Leibesnöten. Darum soll­ten die Meister der Bruderschaft alle Sonntage und Heiligenfeste im Münster wäh­rend der hei­li­gen Kreuzmesse vor dem Bild des hei­li­gen Sebastianus eine statt­li­che Kerze bren­nen las­sen.
  2. Sollen die Meister anord­nen, daß alle Jahre am Tag des hei­li­gen Märtyrers wäh­rend der Kreuzmesse zwei Messen gehal­ten wer­den, eine auf dem Bobartz-Altar des hei­li­gen Märtyrers für die leben­den Brüder, und eine Seelenmesse auf dem Sankt Nikolausaltar für die toten Brüder. Zu den zwei Messen sol­len alle Brüder, die in Neuss anwe­send sind, ein Opfer geben; wer das ver­säumt, bis daß das hei­li­ge Sakrament erho­ben wird, der soll des­sel­bi­gen Tags als Buße zwei Weißpfennige an die Bruderschaft zah­len ohne eine Nachfrage, ohne Einrede und Widerstand.
  3. Würde jemand von den Brüdern so arm, daß er von Almosen leben müß­te und sich der Güte der Bruderschaft anver­traue, sol­len die Meister die­sem Bruder alle Tage vier Möhrchen vom Geld der Bruderschaft geben so lan­ge er der Almosen bedarf und begehrt. Wäre fer­ner ein Bruder, wenn er stirbt, so arm, daß er aus eige­nen Mitteln kei­ne Totenkiste haben könn­te, so soll die Bruderschaft die Totenkiste bezah­len.
  4. Wenn ein Bruder ver­stor­ben ist, sol­len die Meister anord­nen, daß von Stund an für die Seele des Toten bin­nen den nächs­ten 30 Tagen drei­ßig Seelenmessen gehal­ten wer­den. Für die Seelenmessen soll ein jeg­li­cher Bruder 6 Möhrchen zah­len, und die Freunde des Toten, die dazu in der Lage sind, sol­len, sofern er nicht so viel für die Bruderschaft bestimmt hat, 6 Weißpfennige geben. Und das ande­re noch not­wen­di­ge Geld für die Seelenmessen, für das Leichenbegängnis und für die Kerzen soll die Bruderschaft bezah­len. Wenn man einen Bruder zu Grabe gelei­ten soll, sol­len das die Meister den ande­ren Brüdern kund­tun, damit sie zum Begräbnis ein Opfer geben und mit zum Grabe gehen. Und wer einen der Punkte ver­säumt, der soll zur Buße 2 Weißpfennige zah­len. Die Meister sol­len zu dem Begräbnis vier statt­li­che Wachskerzen und ein halb Pfund Spintlichter bestel­len, die solan­ge bren­nen, bis die Seelenmesse zu Ende ist. Für all die­se vor­be­schrie­be­nen Punkte soll ein jeder Bruder erst­mals wenn er in der Bruderschaft auf­ge­nom­men wird, 12 Weißpfennige geben, und hin­fort alle Jahre auf Sankt Sebastianustag dem hei­li­gen Märtyrer als Zins für Leib und Gut einen bra­ban­ti­schen Schilling, solan­ge er lebt.
  5. Ein jeder Bruder soll gehor­sam sein, wenn er der Bruderschaft wegen geru­fen wird. Wer dawi­der han­delt, der soll, so oft er unge­hor­sam ist, 6 Möhrchen zah­len und an sei­ne Bruderschaft geben ohne Widerrede.
  6. Dann soll ein jeg­li­cher Bruder eine gute Armbrust haben, die zumin­dest einen rhei­ni­schen Gulden wert sei, und dazu alle Gerätschaft zum Schießen, wie sich das gebührt bei sei­ner Bruderschaft, zur Wehr und zum Dienste der Stadt Neuss, wie sich das in Notzeiten gehört.
  7. In der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft zu Neuss soll man alle die Schützengesellen auf­neh­men, die bin­nen Neuss woh­nen und Jahr und Tag ansäs­sig sind, sofern sie von gutem Rufe sind und ehr­bar in ihrem Wandel und in ihren Hantierungen und sonst nie­man­den.
  8. Alle beschrie­be­nen Gelder und Bußen soll ein jeder Bruder bezah­len an dem Tag, an dem sie fäl­lig wer­den, ohne lan­gen Verzug, ohne jeden Einwand und Widerstand. Und das gan­ze Geld sol­len vier Meister emp­fan­gen, von denen min­des­tens zwei in Neuss beerbt sein sol­len. Un die vier Meister sol­len mit vier der ältes­ten Brüder ein Jahr lang alle Sachen der Bruderschaft aus­rich­ten, das Geld zum Nutzen der Gesellschaft anle­gen, wie und wann es ihnen nütz­lich dünkt.
  9. Wenn das Jahr ver­gan­gen ist, sol­len auf Sankt Sebastianustag alle Brüder, die dann in Neuss wei­len, bei­ein­an­der ein Essen ver­an­stal­ten, und die Bruderschaft soll dazu 8 Weißpfennige geben. Danach sol­len die Meister das Geld ablie­fern und Rechenschaft able­gen über Einnahmen und Ausgaben. Dann sol­len die Meister mit vier der ältes­ten Brüder vier ande­re Meister wäh­len, wel­che die Bruderschaft, das Geld, die Kerze und was sonst die Bruderschaft anbe­trifft, treu­lich in Verwahr neh­men.
  10. Wer gegen ein­zel­ne die­ser vor­ge­schrie­be­nen Punkte han­delt, der soll fort­an weder die­ser Bruderschaft ange­hö­ren noch ihre Gesellschaft genie­ßen. Und wäre jemand unter den Brüdern, der sich bei eini­gen Angelegenheiten unge­recht und schimpf­lich her­vor­tut uns sich nicht zurecht­wei­sen las­sen will, der soll die­ser Bruderschaft nicht län­ger ange­hö­ren. Und soll­te es vor­kom­men, daß einem Bruder Unrecht gesche­he, sol­len ihm die ande­ren Brüder bei­ste­hen, wenn er güt­lich an die Meister das Ansinnen stellt, die Angelegenheit ohne Zwietracht und Aufregung bei­zu­le­gen.
  11. Ein jeg­li­cher Bruder soll bei dem Eid, den er der Stadt Neuss geschwo­ren hat, beim hei­li­gen Marschall Sankt Sebastianus und bei sei­nen Brüdern ehr­lich und treu den Meistern in die Hand gelo­ben, alle vor­be­schrie­be­nen Punkte fest und ste­tig und unver­brüch­lich zu hal­ten, auf­rich­tig und ohne jede Arglist sofern nicht ein Hindernis wie gött­li­che Gewalt, Leibesnot oder Krieg dazwi­schen­kommt.

Zum Zeugnis der Wahrheit und zu ewi­ger Beständigkeit die­ser Bruderschaft wur­de das gro­ße Siegel derer Kirchspielskirche von Neuss an die­sen Brief ange­hängt.

Gegeben im Jahre des Herrn tau­send­vier­hun­dert­fünf­zehn am Feste aller Heiligen.

 

Die Original-Gründungsurkunde vom 1. November 1415 wird im Neusser Stadtarchiv auf­be­wahrt.”

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