Gründungssatzung

Nachfolgend finden Sie den aus dem Originaltext übertragenen Wortlaut der Urkunde vom 1. November 1415 in vollem Umfang:

Im Namen Gottes Amen!
Zum Lobe und zu Ehren Christus Jesus, unseres Herrn, Mariä, Seiner lieben Mutter, und dem hochgelobten Märtyrer Sankt Sebastianus zu Diensten, so haben die Schützengesellen in der Stadt Neuss beschlossen, unter sich eine Bruderschaft von jetzt an immerfort bis in fernste Tage zu halten und alle Jahre am Tag des heiligen Märtyrers zu begehen und durchzuführen dermaßen als hernach geschrieben steht.

  1. Zum ersten soll ein jeglicher Bruder alle Sonntage Gott im Himmelreich mit drei Pater noster und drei Ave Maria danken, daß er dem heiligen Märtyrer Gewalt gegeben hat, uns von Gottes wegenzu beschirmenvor der Pest, vor Blattern, vor dem jähen Tode, vor Geschossen und anderen Leibesnöten. Darum sollten die Meister der Bruderschaft alle Sonntage und Heiligenfeste im Münster während der heiligen Kreuzmesse vor dem Bild des heiligen Sebastianus eine stattliche Kerze brennen lassen.
  2. Sollen die Meister anordnen, daß alle Jahre am Tag des heiligen Märtyrers während der Kreuzmesse zwei Messen gehalten werden, eine auf dem Bobartz-Altar des heiligen Märtyrersfür die lebenden Brüder, und eine Seelenmese auf dem Sankt Nikolausaltar für die toten Brüder. Zu den zwei Messen sollen alle Brüder, die in Neuss anwesend sind, ein Opfer geben; wer das versäumt, bis daß das heilige Sakrament erhoben wird, der soll desselbigen Tags als Buße zwei Weißpfennige an die Bruderschaft zahlen ohne eine Nachfrage, ohne Einrede und Widerstand.
  3. Würde jemand von den Brüdern so arm, daß er von Almosen leben müßte und sich der Güte der Bruderschaft anvertraue, sollen die Meister diesem Bruder alle Tage vier Möhrchen vom Geld der Bruderschaft geben so lange er der Almosen bedarf und begehrt. Wäre ferner ein Bruder, wenn er stirbt, so arm, daß er aus eigenen Mitteln keine Totenkiste haben könnte, so soll die Bruderschaft die Totenkiste bezahlen.
  4. Wenn ein Bruder verstorben ist, sollen die Meister anordnen, daß von Stund an für die Seele des Toten binnen den nächsten 30 Tagen dreißig Seelenmessen gehalten werden. Für die Seelenmessen soll ein jeglicher Bruder 6 Möhrchen zahlen, und die Freunde des Toten, die dazu in der Lage sind, sollen, sofern er nicht so viel für die Bruderschaft bestimmt hat, 6 Weißpfennige geben. Und das andere noch notwendige Geld für die Seelenmessen, für das Leichenbegängnis und für die Kerzen soll die Bruderschaft bezahlen. Wenn man einen Bruder zu Grabe geleiten soll, sollen das die Meister den anderen Brüdern kundtun, damit sie zum Begräbnis ein Opfer geben und mit zum Grabe gehen. Und wer einen der Punkte versäumt, der soll zur Buße 2 Weißpfennige zahlen. Die Meister sollen zu dem Begräbnis vier stattliche Wachskerzen und ein halb Pfund Spintlichter bestellen, die solange brennen, bis die Seelenmesse zu Ende ist. Für all diese vorbeschriebenen Punkte soll ein jeder Bruder erstmals wenn er in der Bruderschaft aufgenommen wird, 12 Weißpfennige geben, und hinfort alle Jahre auf Sankt Sebastianustag dem heiligen Märtyrer als Zins für Leib und Gut einen brabantischen Schilling, solange er lebt.
  5. Ein jeder Bruder soll gehorsam sein, wenn er der Bruderschaft wegen gerufen wird. Wer dawider handelt, der soll, so oft er ungehorsam ist, 6 Möhrchen zahlen und an seine Bruderschaft geben ohne Widerrede.
  6. Dann soll ein jeglicher Bruder eine gute Armbrust haben, die zumindest einen rheinischen Gulden wert sei, und dazu alle Gerätschaft zum Schießen, wie sich das gebührt bei seiner Bruderschaft, zur Wehr und zum Dienste der Stadt Neuss, wie sich das in Notzeiten gehört.
  7. In der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft zu Neuss soll man alle die Schützengesellen aufnehmen, die binnen Neuss wohnen und Jahr und Tag ansässig sind, sofern sie von gutem Rufe sind und ehrbar in ihrem Wandel und in ihren Hantierungen und sonst niemanden.
  8. Alle beschriebenen Gelder und Bußen soll ein jeder Bruder bezahlen an dem Tag, an dem sie fällig werden, ohne langen Verzug, ohne jeden Einwand und Widerstand. Und das ganze Geld sollen vier Meister empfangen, von denen mindestens zwei in Neuss beerbt sein sollen. Un die vier Meister sollen mit vier der ältesten Brüder ein Jahr lang alle Sachen der Bruderschaft ausrichten, das Geld zum Nutzen der Gesellschaft anlegen, wie und wann es ihnen nützlich dünkt.
  9. Wenn das Jahr vergangen ist, sollen auf Sankt Sebastianustag alle Brüder, die dann in Neuss weilen, beieinander ein Essen veranstalten, und die Bruderschaft soll dazu 8 Weißpfennige geben. Danach sollen die Meister das Geld abliefern und Rechenschaft ablegen über Einnahmen und Ausgaben. Dann sollen die Meister mit vier der ältesten Brüder vier andere Meister wählen, welche die Bruderschaft, das Geld, die Kerze und was sonst die Bruderschaft anbetrifft, treulich in Verwahr nehmen.
  10. Wer gegen einzelne dieser vorgeschriebenen Punkte handelt, der soll fortan weder dieser Bruderschaft angehören noch ihre Gesellschaft genießen. Und wäre jemand unter den Brüdern, der sich bei einigen Angelegenheiten ungerecht und schimpflich hervortut uns sich nicht zurechtweisen lassen will, der soll dieser Bruderschaft nicht länger angehören. Und sollte es vorkommen, daß einem Bruder Unrecht geschehe, sollen ihm die anderen Brüder beistehen, wenn er gütlich an die Meister das Ansinnen stellt, die Angelegenheit ohne Zwietracht und Aufregung beizulegen.
  11. Ein jeglicher Bruder soll bei dem Eid, den er der Stadt Neuss geschworen hat, beim heiligen Marschall Sankt Sebastianus und bei seinen Brüdern ehrlich und treu den Meistern in die Hand geloben, alle vorbeschriebenen Punkte fest und stetig und unverbrüchlich zu halten, aufrichtig und ohne jede Arglist sofern nicht ein Hindernis wie göttliche Gewalt, Leibesnot oder Krieg dazwischenkommt.

Zum Zeugnis der Wahrheit und zu ewiger Beständigkeit dieser Bruderschaft wurde das große Siegel dere Kirchspielskirche von Neuss an diesen Brief angehängt.

Gegeben im Jahre des Herrn tausendvierhundertfünfzehn am Feste aller Heiligen.

“Die Original-Gründungsurkunde vom 1. November 1415 wird im Neusser Stadtarchiv aufbewahrt.”

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